🎯 Während Suchmaschinen und KI-Assistenten zunehmend fertige Antworten statt Quellenverweise liefern, prüfen Medienaufsichtsbehörden nun die rechtliche Zulässigkeit dieser Praxis. Für mittelständische Unternehmen bedeutet dies: Wer KI-Zusammenfassungen in kritischen Geschäftsprozessen einsetzt, muss Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Prozessstabilität neu denken.
Die Landesmedienanstalten in Deutschland haben begonnen, die sogenannten "AI Overviews" von Google und die Antwort-Mechanismen von Perplexity auf ihre Vereinbarkeit mit dem Medienstaatsvertrag zu untersuchen. Der Vorwurf: Diese Systeme könnten journalistische Inhalte "kannibalisieren", indem sie Informationen zusammenfassen und präsentieren, ohne dass Nutzer die ursprünglichen Quellen besuchen müssen. Was auf den ersten Blick wie eine rein medienrechtliche Debatte erscheint, hat weitreichende Konsequenzen für Unternehmen, die KI-basierte Informationssysteme in ihre Geschäftsprozesse integrieren.
Die aktuelle Rechtslage: Warum Medienwächter Google und Perplexity prüfen
Die Untersuchung der Medienanstalten konzentriert sich auf eine zentrale Frage: Sind KI-gestützte Zusammenfassungen, die Informationen aus verschiedenen Quellen aggregieren und präsentieren, mit dem Medienstaatsvertrag vereinbar? Die Behörden prüfen insbesondere, ob diese Systeme ausreichend transparent machen, woher ihre Informationen stammen, und ob sie die Urheberrechte der ursprünglichen Contentproduzenten respektieren.
Die rechtliche Grauzone betrifft drei wesentliche Aspekte:
✅ Transparenz der Informationsherkunft: Ist für den Nutzer nachvollziehbar, welche Quellen in eine KI-Zusammenfassung eingeflossen sind?
✅ Urheberrechtliche Verantwortung: Wird die Leistung der ursprünglichen Contentproduzenten angemessen gewürdigt und vergütet?
✅ Medienrechtliche Einordnung: Handelt es sich bei diesen Diensten um Intermediäre, Medienplattformen oder neue Kategorien, die gesonderte Regelungen erfordern?

Für die EU-KI-Verordnung, die seit August 2024 wirksam ist, sind KI-Zusammenfassungssysteme potenziell als "Systeme mit begrenztem Risiko" einzustufen, was spezifische Transparenzpflichten nach sich zieht. Die DSGVO ergänzt diese Anforderungen um datenschutzrechtliche Vorgaben, sobald personenbezogene Daten verarbeitet werden.
Transparenz als geschäftskritischer Faktor
Die Frage nach der Transparenz von KI-Systemen ist keine akademische Übung, sondern hat unmittelbare praktische Relevanz. Wenn ein Unternehmen geschäftskritische Entscheidungen auf Basis von KI-generierten Zusammenfassungen trifft – etwa bei der Marktanalyse, der rechtlichen Bewertung oder der strategischen Planung – muss die Herkunft und Qualität der zugrunde liegenden Informationen nachvollziehbar sein.
Die Medienanstalten setzen mit ihrer Untersuchung einen Standard, der über den Medienbereich hinauswirkt: KI-Systeme müssen ihre Quellen offenlegen und ihre Entscheidungslogik transparent machen. Dies deckt sich mit den Anforderungen der EU-KI-Verordnung, die für KI-Systeme mit erhöhtem Risiko umfassende Dokumentationspflichten vorsieht.
Risiken für den Mittelstand: Wenn die Informationsquelle zur Blackbox wird
Mittelständische Unternehmen stehen vor einem Dilemma: Einerseits versprechen KI-Zusammenfassungstools erhebliche Effizienzgewinne bei der Informationsverarbeitung. Ein System, das in Sekunden hunderte Seiten Marktforschung, Wettbewerbsanalysen oder Fachliteratur zusammenfasst, kann Zeit und Kosten sparen. Andererseits schaffen diese Tools neue Risiken, die in klassischen Informationsprozessen nicht existierten.
Das zentrale Problem: Die Blackbox-Gefahr.
Wenn ein mittelständisches Unternehmen eine KI-Zusammenfassung nutzt, ohne die zugrunde liegenden Quellen zu prüfen, entsteht eine gefährliche Abhängigkeit von einem System, dessen Funktionsweise nicht vollständig transparent ist. Dies hat konkrete Auswirkungen:
✅ Haftungsrisiken: Wer haftet, wenn eine Geschäftsentscheidung auf Basis einer fehlerhaften KI-Zusammenfassung getroffen wurde?
✅ Qualitätsverlust: KI-Systeme können Bias aufweisen, Kontext falsch interpretieren oder veraltete Informationen verarbeiten.
✅ Compliance-Verstöße: Bei regulierten Branchen kann die Verwendung nicht nachvollziehbarer Informationsquellen zu Compliance-Problemen führen.
Haftung und Verlässlichkeit in automatisierten Prozessen
Die Rechtsprechung zur Haftung bei KI-gestützten Entscheidungen entwickelt sich noch. Eines ist jedoch bereits klar: Die Verantwortung für Geschäftsentscheidungen bleibt beim Menschen. Ein Unternehmen kann sich nicht darauf berufen, eine fehlerhafte KI-Zusammenfassung genutzt zu haben, wenn daraus ein Schaden entsteht.
Dies bedeutet praktisch: Jede KI-gestützte Informationsverarbeitung in kritischen Geschäftsprozessen muss von einer menschlichen Überprüfung und Validierung begleitet werden. Die KI dient als Werkzeug zur Vorverarbeitung, nicht als finale Entscheidungsinstanz.

Besonders problematisch wird es, wenn KI-Zusammenfassungen in Prozessen eingesetzt werden, die bereits weitgehend automatisiert sind. In einem vollautomatisierten Workflow, in dem eine KI Marktdaten zusammenfasst, diese Zusammenfassung an eine weitere KI zur Strategieentwicklung weitergegeben wird und schließlich automatisierte Bestellprozesse ausgelöst werden, potenziert sich das Fehlerrisiko. Ein einziger Fehler in der initialen Zusammenfassung kann zu einer Kaskade von Fehlentscheidungen führen.
Einordnung aus Sicht der Prozessoptimierung: Struktur vor Information
Aus der Perspektive der Prozessoptimierung offenbart die Debatte um KI-Zusammenfassungen ein grundlegendes Missverständnis vieler Unternehmen: Die Technologie wird vor den Prozess gestellt. Unternehmen implementieren KI-Tools, ohne zunächst ihre Informationsprozesse zu strukturieren und zu standardisieren.
Die richtige Reihenfolge lautet:
- Prozessanalyse: Welche Informationen werden in welchen Prozessen tatsächlich benötigt?
- Qualitätsanforderungen: Welche Qualitäts- und Nachvollziehbarkeitsstandards müssen erfüllt werden?
- Governance-Struktur: Wer ist für die Validierung von Informationen verantwortlich?
- Tool-Auswahl: Welche technischen Lösungen passen zur definierten Prozessstruktur?
In der Praxis wird diese Reihenfolge oft umgekehrt: Ein Unternehmen führt ein KI-Zusammenfassungstool ein, weil es modern und effizient klingt, ohne zuvor die Prozesse zu definieren, in denen es eingesetzt werden soll. Das Ergebnis sind Insellösungen, die mehr Probleme schaffen als sie lösen.
Die aktuelle regulatorische Diskussion verstärkt einen Trend, den wir in der Prozessberatung schon länger beobachten: Unternehmen, die ihre Prozesse nicht strukturiert haben, sind durch regulatorische Anforderungen besonders verwundbar. Wer nicht dokumentieren kann, wie Informationen verarbeitet werden, woher sie stammen und wer sie validiert hat, wird Schwierigkeiten haben, Compliance-Anforderungen zu erfüllen.

Die EU-KI-Verordnung fordert von Unternehmen die Führung einer KI-Inventarliste – ein Verzeichnis aller eingesetzten KI-Systeme mit Risikobewertung. Für KI-Zusammenfassungssysteme bedeutet dies:
✅ Dokumentation: Welche KI-Tools werden wo eingesetzt?
✅ Risikobewertung: Welches Risiko geht von fehlerhaften Zusammenfassungen aus?
✅ Verantwortlichkeiten: Wer ist für die Validierung zuständig?
✅ Standard Operating Procedures (SOPs): Wie wird sichergestellt, dass KI-Output überprüft wird?
Was bedeutet das konkret für mittelständische Unternehmen?
Die Untersuchung der Medienanstalten sendet ein klares Signal: Die Zeit der unregulierten KI-Nutzung geht zu Ende. Mittelständische Unternehmen sollten jetzt handeln, um sich auf verschärfte Transparenz- und Dokumentationsanforderungen vorzubereiten.
Konkrete Handlungsempfehlungen:
1. Inventarisierung bestehender KI-Nutzung
Erfassen Sie systematisch, welche KI-Tools in Ihrem Unternehmen bereits im Einsatz sind. Dies umfasst nicht nur offizielle Unternehmenslösungen, sondern auch Tools, die einzelne Mitarbeiter auf eigene Initiative nutzen (Schatten-IT). Besonders kritisch sind KI-Zusammenfassungstools in Bereichen wie Marktforschung, Rechtsberatung, Compliance und strategischer Planung.
2. Prozessdokumentation und Validierungsschritte
Definieren Sie für jeden Prozess, in dem KI-Zusammenfassungen genutzt werden, klare Validierungsschritte. Wer ist verantwortlich, den KI-Output zu prüfen? Nach welchen Kriterien erfolgt die Prüfung? Wie wird die Prüfung dokumentiert? Diese Fragen müssen in SOPs beantwortet werden.
3. Quellenvalidierung als Standardprozess
Implementieren Sie die Pflicht zur Quellenvalidierung: Jede geschäftskritische Entscheidung, die auf einer KI-Zusammenfassung basiert, muss durch Rückgriff auf die Originalquellen validiert werden. Dies mag zunächst ineffizient erscheinen, schützt aber vor erheblichen Risiken.
4. Schulung und Awareness
Sensibilisieren Sie Ihre Mitarbeiter für die Grenzen von KI-Zusammenfassungen. Nicht jede KI-generierte Zusammenfassung ist fehlerhaft, aber jede kann es sein. Ein kritischer Umgang mit KI-Output muss zur Unternehmenskultur werden.
5. Aufbau einer KI-Governance-Struktur
Etablieren Sie klare Verantwortlichkeiten für den KI-Einsatz. Dies kann ein KI-Gremium sein, ein eigener KI-Beauftragter oder die Integration in bestehende Compliance-Strukturen. Entscheidend ist, dass es eine zentrale Stelle gibt, die den Überblick über KI-Nutzung, Risiken und Compliance hat.

6. Dokumentation für Audit-Fälle
Bereiten Sie sich auf mögliche Audits vor. Die EU-KI-Verordnung sieht Inspektionen vor. Können Sie nachweisen, wie Ihre KI-Systeme funktionieren, welche Daten sie verarbeiten und wie Sie Qualität und Richtigkeit sicherstellen? Eine lückenlose Dokumentation ist hier entscheidend.
Fazit: Nachhaltige KI-Strategie statt blinder Technikgläubigkeit
Die regulatorische Prüfung von KI-Zusammenfassungssystemen wie Google AI Overviews und Perplexity ist mehr als eine medienrechtliche Debatte. Sie markiert einen Wendepunkt in der Art und Weise, wie Gesellschaft und Gesetzgeber mit KI-Technologie umgehen: Von der Phase des unkritischen Ausprobierens hin zu einer Phase der strukturierten Regulierung und Verantwortung.
Für mittelständische Unternehmen bedeutet dies eine Chance: Wer jetzt in strukturierte Prozesse, klare Governance und transparente Dokumentation investiert, wird nicht nur regulatorische Anforderungen erfüllen, sondern auch die Qualität seiner Geschäftsentscheidungen verbessern.
Die Versuchung ist groß, KI-Tools als schnelle Lösung für Effizienzprobleme zu sehen. Doch nachhaltige Effizienz entsteht nicht durch Technologie allein, sondern durch die intelligente Kombination von strukturierten Prozessen, qualifizierten Mitarbeitern und gezielt eingesetzter Technologie.
Process Vision unterstützt mittelständische Unternehmen dabei, diese Balance zu finden. Wir analysieren Ihre bestehenden Informationsprozesse, identifizieren Schwachstellen und entwickeln Strategien für den verantwortungsvollen Einsatz von KI-Technologie – ohne blinde Technikgläubigkeit, aber mit dem klaren Ziel, Ihre Geschäftsprozesse nachhaltig zu optimieren.
Die Frage ist nicht, ob KI-Zusammenfassungen nützlich sind – sie sind es. Die Frage ist, ob Sie die Prozessstruktur haben, um sie verantwortungsvoll und nachvollziehbar einzusetzen. Diese Struktur zu schaffen, ist keine technische, sondern eine organisatorische Aufgabe. Und genau hier setzt erfolgreiche Prozessoptimierung an.
Sie möchten Ihre Informationsprozesse auf regulatorische Anforderungen vorbereiten?
Kontaktieren Sie uns für eine unverbindliche Erstanalyse:
📧 hallo@process-vision.de
📞 WhatsApp Business: 015565-807215
📍 Industrierandstr. 23, 08060 Zwickau
Erfahren Sie mehr über unsere Prozessanalyse-Methoden oder testen Sie unsere KI-Telefonassistentin Lotta unter 0375 47213000.


