🎯 Die größten Effizienzverluste entstehen nicht durch spektakuläre Fehler – sondern durch tausend kleine Momente, die niemand zählt.
Wenn Unternehmen nach Einsparpotenzialen suchen, schauen sie auf große Posten: Softwarelizenzen, Personalkosten, Energieverbrauch. Was dabei fast immer übersehen wird, sind die winzigen Reibungspunkte im Tagesgeschäft. Eine Rückfrage hier, eine manuelle Übergabe dort, eine doppelte Dateneingabe zwischendurch.
Jeder einzelne dieser Momente kostet vielleicht nur zwei bis fünf Minuten. Aber multiplizieren Sie das mit zehn Mitarbeitenden, fünf Tagen die Woche, 52 Wochen im Jahr – und plötzlich reden wir von Hunderten Arbeitsstunden, die einfach versickern.
Das Tückische daran: Diese Verluste tauchen in keiner Kennzahl auf. Sie werden durch Mehrarbeit kompensiert, durch Überstunden ausgeglichen, durch engagierte Teams aufgefangen. Und genau deshalb bleibt operative Reibung einer der teuersten Kostenfaktoren im Mittelstand – und gleichzeitig einer der am wenigsten beachteten.
Was genau ist operative Reibung?
Operative Reibung beschreibt alle kleinen Hindernisse, Verzögerungen und Ineffizienzen, die im Arbeitsalltag entstehen, ohne dass ein offensichtlicher Fehler vorliegt. Der Prozess funktioniert – aber er funktioniert nicht optimal.
Stellen Sie sich das wie ein Auto vor, dessen Handbremse leicht angezogen ist. Es fährt noch. Es kommt ans Ziel. Aber es verbraucht mehr Sprit, die Bremsen verschleißen schneller, und der Motor arbeitet härter als nötig.
Genau so arbeiten viele Unternehmen: Sie erreichen ihre Ziele, aber der Aufwand dafür ist höher als notwendig.

Typische Beispiele für operative Reibung:
✅ Rückfragen und Klärungsschleifen – Informationen sind nicht vollständig dokumentiert, also muss nachgefragt werden
✅ Manuelle Freigabeprozesse – Dokumente wandern per E-Mail von Person zu Person, statt automatisiert durchzulaufen
✅ Doppelte Datenerfassung – Dieselben Informationen werden in mehrere Systeme eingetragen
✅ Medienbrüche – Daten aus Excel in ein anderes Tool kopieren, ausdrucken und wieder einscannen
✅ Warten auf Antworten – Projekte stocken, weil jemand auf eine Freigabe oder Information wartet
✅ Unklare Zuständigkeiten – Zeit geht verloren, weil niemand genau weiß, wer entscheiden darf
Keine dieser Situationen ist ein Fehler im klassischen Sinne. Alles „funktioniert". Aber der Preis dafür ist versteckt.
Warum bleibt operative Reibung unsichtbar?
Der Hauptgrund ist einfach: Operative Teams kompensieren diese Reibung durch Mehrarbeit.
Wenn ein Prozess umständlich ist, arbeiten erfahrene Mitarbeitende einfach schneller oder länger. Sie entwickeln Workarounds, merken sich Sonderfälle im Kopf, und gleichen Systemschwächen durch persönlichen Einsatz aus.
Das Ergebnis: Die Arbeit wird erledigt, die Kennzahlen stimmen, und niemand beschwert sich.
Aber unter der Oberfläche passiert etwas Gefährliches:
- Wissen bleibt in Köpfen statt in Systemen
- Mitarbeitende brennen schleichend aus, weil sie ständig kompensieren
- Neue Kollegen brauchen ewig, um sich einzuarbeiten
- Skalierung wird unmöglich, weil alles von individueller Erfahrung abhängt

Das Paradox der funktionierenden Prozesse
Je besser Ihr Team darin ist, Reibung zu kompensieren, desto unsichtbarer wird das Problem. Erfolg verdeckt Ineffizienz.
Führungskräfte sehen funktionierende Ergebnisse und schließen daraus, dass die Prozesse in Ordnung sind. Dabei sehen sie nicht die Überstunden, die kleinen Frustrationen, die verlorenen Minuten zwischen den Aufgaben.
Die wahren Kosten: Eine Beispielrechnung
Lassen Sie uns konkret werden. Stellen Sie sich ein mittelständisches Unternehmen mit 25 Mitarbeitenden vor:
| Reibungspunkt | Zeit pro Vorgang | Häufigkeit pro Tag | Betroffene MA | Verlorene Zeit/Tag |
|---|---|---|---|---|
| Rückfragen per E-Mail | 5 Min | 3x | 15 | 225 Min |
| Manuelle Datenübertragung | 8 Min | 2x | 10 | 160 Min |
| Warten auf Freigaben | 15 Min | 1x | 8 | 120 Min |
| Suche nach Dokumenten | 4 Min | 4x | 20 | 320 Min |
Täglicher Verlust: 825 Minuten = knapp 14 Arbeitsstunden
Auf ein Jahr hochgerechnet (bei 220 Arbeitstagen):
3.080 Arbeitsstunden – das entspricht fast 1,5 Vollzeitstellen, die nur dafür draufgehen, Reibung zu kompensieren.
Bei einem durchschnittlichen Stundensatz von 45 € sprechen wir von versteckten Kosten in Höhe von über 138.000 € pro Jahr.
Und das ist eine konservative Rechnung. In vielen Unternehmen liegt der tatsächliche Wert deutlich höher.
Wie Sie operative Reibung sichtbar machen
Der erste Schritt zur Verbesserung ist nicht neue Technologie – sondern bewusstes Hinschauen.
Methode 1: Der Prozess-Schatten
Begleiten Sie einen Mitarbeitenden einen ganzen Tag lang bei der Arbeit. Nicht um zu kontrollieren, sondern um zu verstehen. Notieren Sie jeden Moment, in dem:
- gewartet wird
- nachgefragt wird
- etwas doppelt gemacht wird
- zwischen Systemen gewechselt wird
- improvisiert wird
Sie werden überrascht sein, wie viel Zeit in den Zwischenräumen verloren geht.
Methode 2: Die Frustrations-Inventur
Fragen Sie Ihr Team direkt: „Was nervt euch im Arbeitsalltag am meisten?"
Nicht die großen strategischen Fragen – sondern die kleinen, täglichen Ärgernisse. Die Antworten zeigen Ihnen genau, wo Reibung entsteht.

Methode 3: Die Zeit-Analyse
Lassen Sie Mitarbeitende eine Woche lang protokollieren, wie viel Zeit sie mit verschiedenen Tätigkeiten verbringen. Kategorisieren Sie dann:
✅ Wertschöpfende Arbeit – direkt zum Ergebnis beitragende Tätigkeiten
✅ Notwendige Nebenarbeit – Administration, Kommunikation, Organisation
✅ Reibungsverluste – Warten, Suchen, Doppelarbeit, Klärung
Das Verhältnis wird Sie vermutlich überraschen.
Von der Erkenntnis zur Lösung
Sobald operative Reibung sichtbar wird, können Sie gezielt handeln. Die gute Nachricht: Oft sind es keine teuren Investitionen, die den Unterschied machen.
Schnelle Gewinne durch Prozessklarheit
Manchmal reicht es, Zuständigkeiten klar zu dokumentieren, Vorlagen zu erstellen oder Kommunikationswege zu definieren. Nicht jede Reibung braucht eine Software-Lösung.
Automatisierung gezielt einsetzen
Wo manuelle Übergaben, Dateneingaben oder Freigabeschleifen immer wieder Zeit kosten, kann gezielte Automatisierung enorm helfen. Aber erst, wenn der Prozess selbst verstanden und optimiert ist.
Automatisierung eines schlechten Prozesses macht ihn nur schneller schlecht.
KI als Reibungs-Reduzierer
Moderne KI-Tools können viele typische Reibungspunkte eliminieren:
- Automatische Informationsextraktion aus E-Mails und Dokumenten
- Intelligente Routing von Anfragen an die richtige Person
- Chatbots und Assistenten für häufige Rückfragen
- Automatische Zusammenfassungen von Meeting-Protokollen oder Kundenanfragen
Der Schlüssel liegt darin, KI dort einzusetzen, wo sie echte Reibung reduziert – nicht als Selbstzweck.
Fazit: Die unsichtbaren Kosten sichtbar machen
Operative Reibung ist kein Fehler, den jemand macht. Sie ist das Ergebnis von Prozessen, die gewachsen statt gestaltet wurden. Sie kostet kein Geld durch große Fehler – sondern durch tausend kleine Momente, die niemand zählt.
Der erste Schritt ist, hinzuschauen. Der zweite, zu messen. Und der dritte, gezielt zu handeln.
Wenn Sie wissen möchten, wo in Ihrem Unternehmen operative Reibung versteckt ist und wie Sie sie reduzieren können, sprechen Sie mit uns.
Häufige Fragen zur operativen Reibung
Ist operative Reibung nicht einfach „normaler Arbeitsaufwand"?
Nein. Wertschöpfende Arbeit und Reibungsverluste sind unterschiedliche Dinge. Reibung entsteht, wenn Arbeit durch mangelnde Prozessqualität erschwert wird – nicht durch die Aufgabe selbst.
Wie überzeuge ich meine Geschäftsführung, dass das ein echtes Problem ist?
Mit Zahlen. Führen Sie eine kleine Zeit-Analyse durch und rechnen Sie die versteckten Kosten hoch. Das Ergebnis spricht meist für sich.
Brauche ich neue Software, um operative Reibung zu reduzieren?
Nicht unbedingt. Oft liegt das Problem in unklaren Prozessen oder fehlender Dokumentation. Technologie hilft erst, wenn der Prozess selbst verstanden ist.
📞 Sie möchten Ihre versteckten Effizienzpotenziale aufdecken?
Rufen Sie unsere KI-Telefonassistentin Lotta an – 24/7 erreichbar unter 0375 47213000 – oder schreiben Sie uns eine Nachricht an hallo@process-vision.de.
Wir bei Process Vision helfen Ihnen, operative Reibung sichtbar zu machen und gezielt zu reduzieren. Damit Ihr Team seine Energie für das einsetzen kann, was wirklich zählt.
Das könnte Sie auch interessieren:
Die Zukunft der Arbeit: Praktische Anwendung von KI im Berufsalltag