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4 Prozent statt 51: Warum KI im Mittelstand meist im Pilotstadium bleibt

51,2 Prozent der mittelständischen Unternehmen in Deutschland nutzen oder testen KI, ein Plus von 54 Prozent gegenüber 2024. Das meldete der KI-Index Mittelstand von Salesforce und dem Deutschen Mittelstands-Bund im März 2026. Eine frischere Studie der Dresdner aithoria GmbH stellt daneben eine zweite Zahl, die genauso wichtig ist: Nur 4 Prozent der befragten Betriebe haben KI tatsächlich unternehmensweit verankert. Der Rest bewegt sich zwischen "gar nicht" und "irgendwo dazwischen ausprobiert". Genau in dieser Lücke entscheidet sich, ob KI im Betrieb etwas bringt oder ein teures Nebenprojekt bleibt.

Was die aithoria-Studie konkret zeigt

Für "GenAI im Mittelstand" befragte aithoria zwischen Februar und März 2026 134 Unternehmen quantitativ und ergänzte das um sieben Interviews mit Geschäftsführern aus Handwerk, Produktion und Gewerbe. Die Auswertung teilt die Betriebe in drei Gruppen:

  • Seitenlinie (42 Prozent): Kein produktiver KI-Einsatz.
  • Experimentierende (53 Prozent): Pilotprojekte oder Einzelanwendungen, meist in einer Abteilung oder bei einer Person.
  • Strategisch Integrierte (4 Prozent): KI ist Teil dokumentierter Prozesse, unternehmensweit im Einsatz.

Zusammengenommen haben also 57 Prozent der Betriebe schon einmal mit KI gearbeitet. Aber nur jeder 25. Betrieb hat daraus einen festen Bestandteil seiner Abläufe gemacht. Die restlichen 53 Prozentpunkte stecken in der mittleren Gruppe fest, oft seit Monaten.

Woran die Verankerung hängt: nicht am Tool, sondern am Prozess

Der Salesforce-Index liefert dazu die passende Ergänzung. Gefragt, welche Unterstützung sie sich für den KI-Einsatz wünschen, nannten die Unternehmen an erster Stelle Hintergrundwissen zu Einsatzgebieten (39,9 Prozent), gefolgt von besserem Datenschutz (32 Prozent), gesetzlicher Klarheit (26,6 Prozent) und besserer Datenqualität (23,7 Prozent). Auffällig: Keine dieser vier meistgenannten Hürden hat etwas mit der Auswahl des richtigen Tools zu tun. Es sind Fragen nach Verantwortung, Datenherkunft und Regeln, also Fragen an den eigenen Prozess.

Das erklärt, warum ein Pilotprojekt selten von allein zur Verankerung wird. Wer ein KI-Tool ausprobiert, ohne vorher zu klären, wer die Ergebnisse verantwortet und welche Daten hineinfließen dürfen, hat am Ende ein Werkzeug, dem niemand traut, sobald es über den Testlauf hinausgehen soll. Genau das ist der Punkt, an dem viele Betriebe in der Experimentierphase steckenbleiben: Das Tool funktioniert, aber der Rahmen drumherum fehlt.

Was "strategisch integriert" konkret bedeutet

Strategisch integrierte Betriebe unterscheiden sich in der aithoria-Studie nicht dadurch, dass sie mehr oder bessere KI-Software einsetzen. Sie unterscheiden sich dadurch, dass drei Dinge geklärt sind, bevor eine Anwendung produktiv geht:

  1. Ein Verantwortlicher ist benannt, der die Ergebnisse prüft.
  2. Dokumentiert ist, welche Daten in welches System fließen.
  3. Der Nutzen wird gemessen, statt nur gefühlt zu werden.

Diese drei Punkte sind kein Software-Feature. Sie sind Prozessarbeit, und genau deshalb bleibt sie oft liegen. Ein neues Tool ist in einer Stunde eingerichtet. Einen Verantwortlichen zu benennen, Datenflüsse zu dokumentieren und eine Kennzahl festzulegen, dauert länger und fühlt sich weniger nach Fortschritt an, obwohl es der eigentliche Fortschritt ist.

Eigenbeispiel: Wo bei uns die Verankerung ansetzt

Bei Process Vision beginnt jede Zusammenarbeit deshalb nicht mit der Frage "Welches KI-Tool passt?", sondern mit der Kurzanalyse: Wo genau entsteht der Engpass, wer ist heute dafür zuständig, welche Daten sind im Spiel? Erst danach folgt die Umsetzung. Unsere Telefonassistentin Lotta ist ein Beispiel dafür, wie das am Ende aussieht, wenn der Prozess steht: Sie ist fest in die Terminvergabe eingebunden, weist sich Anrufern von Beginn an als KI aus, und es ist klar dokumentiert, wofür sie zuständig ist und wofür nicht. Das ist der Unterschied zwischen einem Chatbot, der irgendwo mitläuft, und einem System, das Teil des Betriebsablaufs ist.

Vier Fragen, um den eigenen Stand einzuordnen

  • Ist eine Person benannt, die für den KI-Einsatz verantwortlich ist, oder läuft er "nebenbei" mit?
  • Ist schriftlich festgehalten, welche Daten in welches Tool gehen?
  • Gibt es eine Zahl, an der sich der Nutzen ablesen lässt, etwa eingesparte Zeit oder schnellere Bearbeitung?
  • Würde der Prozess auch funktionieren, wenn die Person, die ihn eingeführt hat, drei Wochen im Urlaub wäre?

Wer mehr als eine Frage mit Nein beantwortet, befindet sich mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Experimentiergruppe, ganz gleich, wie viele KI-Tools im Betrieb bereits laufen.

Häufige Fragen

Reicht es, mehr KI-Tools einzuführen, um von der Experimentier- in die Verankerungs-Gruppe zu wechseln? Nein. Die aithoria-Studie zeigt, dass die Unterscheidung nicht an der Anzahl oder Qualität der Tools hängt, sondern an Verantwortung, Datenklarheit und Erfolgsmessung. Ein zusätzliches Tool ohne diesen Rahmen bleibt ein weiteres Pilotprojekt.

Ist eine Nutzungsquote von über 50 Prozent nicht schon ein gutes Zeichen? Als Trend ja, als Beleg für Wirkung nein. Nutzung heißt laut Studie in den meisten Fällen: mindestens einmal ausprobiert. Ob daraus ein verlässlicher, dokumentierter Bestandteil der Arbeit wird, sagt diese Zahl allein nicht aus.

Wie lange dauert der Schritt vom Pilotprojekt zur Verankerung typischerweise? Das hängt vom Prozess ab, nicht vom Tool. Eine saubere Kurzanalyse, die Engpass, Verantwortlichkeit und Datenfluss klärt, ist in der Regel der eigentliche Zeitfaktor, nicht die technische Einrichtung der KI selbst.

Fazit

Die Wachstumszahl aus dem Salesforce-Index ist real, und sie zeigt, dass KI im Mittelstand angekommen ist. Die 4-Prozent-Zahl aus Dresden zeigt aber, wo die eigentliche Arbeit liegt: nicht im Ausprobieren, sondern im Verankern. Wer seinen Betrieb aus der breiten Mitte der Experimentierenden herausholen will, klärt zuerst den Prozess und danach das Werkzeug.

Wenn Sie wissen wollen, wo Ihr Betrieb zwischen Seitenlinie, Experimentieren und Verankerung steht: In einem kostenlosen Erstgespräch mit Process Vision ordnen wir das gemeinsam ein.

Quellen