85 Prozent digital, 4 Prozent KI: Die Lücke im deutschen Handwerk
Der Bitkom hat im August 2025 504 Handwerksbetriebe telefonisch befragt, repräsentativ für Deutschland. Das Ergebnis ist auf den ersten Blick ein Digitalisierungserfolg: 85 Prozent bieten mindestens einen digitalen Service an. Auf den zweiten Blick zeigt sich eine ganz andere Zahl: Nur 4 Prozent der Betriebe setzen aktuell KI ein. Zwischen diesen beiden Werten liegt die eigentliche Frage für jeden Handwerksbetrieb, der über KI nachdenkt: Warum hört die Digitalisierung ausgerechnet dort auf, wo sie am meisten bringen könnte?
Was die Bitkom-Zahlen zeigen
Die häufigsten digitalen Services sind reine Kundenkontaktpunkte:
- 68 Prozent versenden Angebote digital
- 62 Prozent verschicken Rechnungen digital
- 48 Prozent bieten Online-Terminbuchung an
- 35 Prozent bieten Online-Beratung an
- 27 Prozent akzeptieren Online-Zahlungen
Bei der KI sieht die Bilanz anders aus: 4 Prozent nutzen sie bereits, 9 Prozent planen den Einsatz, und 29 Prozent haben zumindest Mitarbeiter mit KI-Kenntnissen im Team. Ihre eigene Digitalisierung bewerten die Betriebe im Schnitt mit der Schulnote 3,0. 89 Prozent sehen darin eine Chance, aber 76 Prozent sagen gleichzeitig, sie bräuchten mehr Digitalkompetenz, um sie zu nutzen.
Warum die KI-Zahl so klein bleibt
Die digitalen Services mit den höchsten Werten haben eines gemeinsam: Ein Software-Anbieter richtet ein Formular oder einen Zahlungsbutton einmal ein, und der Betrieb nutzt ihn danach unverändert. Der Prozess dahinter bleibt, wie er ist, nur der Kanal ändert sich von Papier auf Bildschirm.
KI funktioniert anders. Ein KI-System, das Anfragen vorsortiert oder Anrufe entgegennimmt, braucht eine Entscheidung darüber, welche Daten es verarbeiten darf, wer die Ergebnisse prüft und wie es in den bestehenden Ablauf eingebunden wird. Das ist keine einmalige Einrichtung, sondern Prozessarbeit. Genau da setzt die 76-Prozent-Zahl an: Es fehlt nicht der Wille, es fehlt die Kompetenz, diese Fragen im eigenen Betrieb zu beantworten.
Der Denkfehler: KI wie ein weiteres Online-Formular behandeln
Wer bereits Online-Terminbuchung und digitale Rechnungen eingeführt hat, geht oft davon aus, ein KI-Tool sei der nächste logische Schritt auf derselben Liste, genauso schnell eingerichtet wie ein Buchungsbutton. Das ist der eigentliche Denkfehler. Ein Buchungsformular verändert nicht, wer im Betrieb wofür zuständig ist. Ein KI-System, das Anfragen beantwortet oder Termine vergibt, tut genau das: Es übernimmt einen Teil einer Aufgabe, die vorher ein Mensch erledigt hat. Ohne vorherige Klärung, wer das System kontrolliert und wofür es zuständig ist, bleibt es ein weiteres Tool, dem am Ende niemand traut.
Wo der Fachkräftemangel und die KI-Lücke zusammenhängen
"Der Fachkräftemangel ist das drängendste Problem im deutschen Handwerk. Künstliche Intelligenz kann helfen, die so entstehenden Engpässe abzufedern. Jeder Handwerksbetrieb sollte sich mit KI beschäftigen", sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder zur Studie. Der Satz trifft einen wunden Punkt: 48 Prozent der Betriebe bieten zwar Online-Terminbuchung an, aber für viele Kunden bleibt das Telefon der erste Kontakt, gerade wenn es eilt. Genau dort, wo Personal am knappsten ist, entsteht der größte Engpass, und genau dort setzt reine Digitalisierung durch ein zusätzliches Online-Formular nichts in Bewegung.
Wie das bei Process Vision konkret aussieht
Unsere Telefonassistentin Lotta ist dafür gebaut, genau diesen Engpass zu übernehmen, ohne dass jemand extra abgestellt werden muss: Sie nimmt Anrufe an, vergibt Termine und weist sich Anrufern von Beginn an als KI aus. Bevor sie eingerichtet wird, klären wir in einer Kurzanalyse, welche Anfragen sie übernehmen soll, wer die Ausnahmen prüft und wie sie an den bestehenden Kalender andockt. Das ist der Unterschied zwischen einem Tool, das nebenbei mitläuft, und einem System, das fest in den Betriebsablauf gehört.
Vier Fragen, um die eigene Lücke einzuordnen
- Bietet Ihr Betrieb bereits digitale Services an, ohne dass sich intern etwas verändert hat?
- Ist geklärt, wer im Betrieb für den Einsatz eines KI-Systems verantwortlich wäre?
- Wo genau fehlt heute Personal, wenn es hoch hergeht, am Telefon, bei Angeboten, bei der Terminplanung?
- Wurde das Thema KI bisher aus Zeitmangel verschoben, oder wurde es einmal bewusst geprüft?
Wer die dritte Frage klar beantworten kann, hat bereits den wichtigsten Ausgangspunkt für eine sinnvolle KI-Einführung: einen konkreten Engpass statt eines vagen "wir sollten mal".
Häufige Fragen
Ist es nicht sinnvoller, erst die Digitalisierung abzuschließen, bevor man KI einführt? Nicht zwingend. Die Bitkom-Zahlen zeigen, dass digitale Services und KI-Nutzung zwei unterschiedliche Baustellen sind. Ein Betrieb mit hohem Digitalisierungsgrad, aber ohne KI-Einsatz muss nicht erst weitere Formulare einführen, sondern kann direkt am größten Engpass ansetzen.
Warum bleibt die KI-Nutzung im Handwerk so niedrig, obwohl der Bedarf hoch ist? Laut Bitkom liegt es nicht am fehlenden Willen, 89 Prozent sehen Digitalisierung als Chance, sondern an fehlender Kompetenz, KI sinnvoll in bestehende Abläufe einzubinden. Das ist eine Prozessfrage, keine Software-Frage.
Muss ein Handwerksbetrieb selbst KI-Experte werden, um sie einzusetzen? Nein. Entscheidend ist, den eigenen Engpass zu kennen und mit einer Fachanalyse zu klären, wo KI sinnvoll ansetzt. Das technische Wissen liefert der Umsetzungspartner.
Fazit
Die 85-Prozent-Zahl zeigt, dass Handwerksbetriebe Digitalisierung grundsätzlich können. Die 4-Prozent-Zahl zeigt, dass sie bei KI an einer anderen Stelle ansetzen müssen als bei einem Buchungsformular: nicht bei der Technik, sondern beim eigenen Prozess.
Wenn Sie wissen wollen, wo in Ihrem Betrieb KI sinnvoll ansetzen kann, gerade dort, wo Personal fehlt: In einem kostenlosen Erstgespräch mit Process Vision klären wir das gemeinsam.